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Vortrag am 12.06.2012

Dr. Kristina Bedijs (Hildesheim):
"Tierisch geile Fresse: Inszenierung von Jugendsprache im Film"

Seit die Jugend nach dem 2. Weltkrieg erstmals begann, sich selbst als soziale Gruppe zu präsentieren und eigene kulturelle Stile auszuprägen, erfährt das Sprechverhalten Jugendlicher massive Aufmerksamkeit durch Erwachsene. Auch Linguisten haben seit nunmehr drei Jahrzehnten das Phänomen Jugendsprache als Forschungsthema erkannt und versucht, Modelle und Regeln zu ihrer Beschreibung zu entwickeln.

Je mehr sich die öffentliche und wissenschaftliche Aufmerksamkeit auf „die Jugendsprache" richtete, desto klarer zeigte sich allerdings, dass es sich dabei nicht um ein isolierbares, regelhaftes Phänomen handelt, sondern um eine Vielzahl von Einzelerscheinungen, die sehr individuell und dynamisch verwendet werden. So wie die Jugend sich schon als soziale Kategorie kaum einheitlich darstellen lässt und immer wieder neue subkulturelle Stile entwickelt, befinden sich auch jugendliche Sprechstile in kontinuierlicher Veränderung. Im Vortrag wird ein varietätenlinguistisches Modell vorgestellt, das zur Beschreibung jugendlichen Sprechverhaltens dienen kann.

Ausgehend von diesen grundlegenden Überlegungen soll dann die Außenwahrnehmung der Jugendsprache durch Medialisierung (dem Übergang von direkter Kommunikation in mediale Vermittlung) in den Blick genommen werden. Denn während sich die öffentliche Debatte vor allem um Gefahren der Jugendkultur und den Verfall der Sprache drehte, entdeckte gleichzeitig die Populärkultur die Jugend als Publikum und als Gegenstand: Zeitschriften, Radiosendungen und Kinofilme für und über Jugendliche entstanden in immer größerer Zahl. Drehbuchautoren für Kinofilme stehen seither vor der Herausforderung, Dialoge zu konzipieren, die dem authentischen Sprechverhalten der Jugendlichen möglichst nahe kommen. Anhand von Beispielen aus französischen und deutschen Filmen wird gezeigt, dass sich die Wahrnehmung der Jugendsprache aus der Erwachsenenperspektive in den letzten Jahrzehnten grundlegend verändert hat und immer wieder neue Strategien der Dialogkonzeption gefunden werden, die gleichzeitig eine Reflexion des jeweils zeitgenössischen Diskurses über die Jugend darstellen.