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Persuasion in den Medien

geschrieben von Christin Stüber

Am 10.01.2012 präsentierte Prof. Dr. Heinz Helmut Lüger, welcher seit 1998 Universitäts-Professor für Linguistik und Didaktik des Französischen an der Universität Koblenz-Landau und Leiter des Instituts für fremdsprachliche Philologien ist, den für das Wintersemester 2011/12 letzten sehr spannenden Vortrag.
Thema seiner Präsentation, welche er in die fünf Punkte Persuasion, Persuasion und Kommentar, Persuasion und Kulturspezifik, Persuasionsstile und ein abschließendes Resümee untergliederte, war „Persuasion als medienlinguistisches Phänomen“. In seinem ersten Teil stellte er den Zuhörern vor, was unter Persuasion zu verstehen ist, nämlich eine indirekte, sprachliche Zielrealisation in Form einer Mitteilung, Bewertung oder Empfehlung in Verbindung mit stützenden Maßnahmen. Anschaulich wurde diese Theorie an einem Bild-Kommentar von Hans-Hermann Tiedje „Die Mauer und die Dummheit“. Deutlich wurde dabei, dass eine bestimmte Textorganisation dazu dient, dass die Leser den Text als abwechslungsreich empfinden und damit eine Aufmerksamkeitssteuerung erzielt wird. Im Anschluss daran stellte uns Prof. Dr. Heinz Helmut Lüger einen Teil seiner Untersuchungen zum Thema Persuasion und Kulturspezifik vovor. So wurden Paralleltextanalysen von französischen und deutschen Pressekommentaren durchgeführt und hinsichtlich der Persuasion verglichen. Als Ergebnis dieser Untersuchungen präsentierte Herr Prof. Dr. Lüger einige Unterschiede in den journalistischen Texten der zwei Kulturen vor. So spricht man im Deutschen von polarisierenden Kommentaren. Diese enthalten konfrontative Bewertungen und sind nicht gesichtsschonend, das heißt das Image bestimmter Personen im Text wird durch Kritik oder Beleidigungen bedroht.Hä Häufig wird ein abstrakter Sachverhalt auf Personen reduziert, was als Personalisierung bezeichnet wird und den Text interessanter macht, aber auch manipulierend wirken kann. Im Französischen dagegen spricht man von orientierenden Kommentaren, welche weniger drastische Bewertungen enthalten und meist eine Gesichtsschonung berücksichtigen. Das sogenannte „DiDssertationsschema“,  ein Modell zur Textproduktion welches in Frankreich schon in der Schule gelernt wird und in welchem alle Elemente, die ein Text enthält auf das Ziel hinauslaufen, ist in der französischen Journalistik jedoch empirisch nicht feststellbar.
Nach dem Vortrag beantwortete Herr Prof. Dr. Lüger die Fragen der Zuhörer, wie Fragen zu seinem Vorgehen bei der Untersuchung der Kulturspezifik oder seiner Einstellung zu Persuasion und Manipulation.
Es war also ein interessanter Abend, welcher gezeigt hat, wie die menschliche Aufmerksamkeit  durch die linguistische Komplexität der Medien gesteuert wird.