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Podiumsdiskussion am 22. Juni 2010

Podiumsdiskussion:
Verfällt die deutsche Sprache?

Gäste:
Bastian Sick (Hamburg)
Dr. Gerd Schrammen (Göttingen)
Prof. Dr. Klaus Bayer (Hannover)
Dr. Andrea-Eva Ewels
(GfdS)


Wenn man laienlinguistischen und populistischen Meinungen glauben darf, ist es um die deutsche Sprache schlecht bestellt, denn sie „ist von Verwirrung bedroht. Sie wird bis zum Verlust der allgemeinen Verständlichkeit verändert und mit fremdem Sprachgut vermischt”, schreibt Gerhard Illgner in dem im Jahr 2003 erschienenen Band Die deutsche Sprachverwirrung. Lächerlich und ärgerlich: Das neue Kauderwelsch. Ist es deshalb nicht zwingend, die deutsche Sprache zu schützen und im Grundgesetz als offizielle Staatssprache zu verankern?

Nach einer repräsentativen Umfage von Allensbach im Auftrag der Gesellschaft für deutsche Sprache sind 65% der Deutschen der Meinung, dass die deutsche Sprache immer mehr verkomme (Hoberg/Eichhoff-Cyrus 2008: 10), aber 65% meinen, dass ihre Deutschkenntnisse gut, und 25% glauben, dass ihre Deutschkenntnisse sehr gut seien (ebd. S. 13). Wenn 90% der Deutschen selbstbewusst behaupten, dass sie über gute bzw. sehr gute Deutschkenntnisse verfügen, und man annehmen darf, dass sie diese nicht in einer (mentalen) Schatztruhe verstecken, sondern auch zur Anwendung bringen, wie erklärt sich dann, dass zwei Drittel einen Sprachverfall postulieren? Offensichtlich gibt es eine Differenz zwischen der Einschätzung von beobachteten sprachlichen Verhältnissen (als Sprachverfall) und der Selbstwahrnehmung des eigenen Sprachgebrauchs.

Was sind nun die sprachlichen Phänomene, die aus einer solchen Verfallsperspektive zu einer Gefährdung der deutschen Sprache führen? Erstens ist hier die Diskussion um den Stellenwert von Fremdwörtern mit ihrer langen Tradition zu nennen. Zum Zweiten sind es Sprachvarianten, die die (Morpho)Syntax betreffen, die als Sprachverfall klassifiziert werden (z.B. Dativ/Genitiv-Varianten nach Präpositionen, „weil“ + Hauptsatz). Der dritte Bereich ist der der Orthographie.

Wenn von Sprachverfall die Rede ist, dann also spielen auf der linguistische Ebene qualitative und quantitative Aspekte eine Rolle und auf der außerlinguistischen geht es um Einflussfaktoren wie Medien, gesellschaftlicher Wandel, Jugend, Schule, Globalisierung, die zu sprachlichen Innovationen führen (können). Welche Einstellungen, Bewertungen der Einzelne bezogen auf soziolinguistische Prozesse hat, dies kann zu Sprachkritik, Engagement für die Sprachkultur, zu einer indifferenten Haltung führen oder eben aber auch zu einem Lamento: ‚Die Sprache verfällt im Hinblick auf einen früheren, besseren Zustand‘.

Dass es im Hinblick auf die deutsche Sprache und deren gefühlten oder tatsächlichen Verfall sehr unterschiedliche Positionen gibt, dessen sind wir uns bewusst. Wir laden Sie daher herzlich ein, mit uns unterschiedliche Standpunkte zu diskutieren.

 

Artikel der HAZ

Bericht aus dem LinguA-Seminar

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